15. November 2014

15/11/14

Liebes Tagebuch, 

schon alleine die Tatsache, dass ich überhaupt wieder Tagebuch schreibe, heißt doch, dass irgendwas nicht stimmt, oder? Natürlich. Nichts passiert so, wie es passieren sollte; nichts funktioniert. 
Daheim gibt's nur noch Streit. Streit zwischen meiner Mutter und ihrem Freund, zwischen mir und meiner Mutter und mittlerweile auch zwischen mir und ihrem Freund. Die meiste Zeit dreht es sich Geld; alles dreht sich nur noch um Geld.
Ich will einfach nur noch von zuhause weg, aber ich weiß, dass das nicht geht. Ich hab nicht genug Geld für eine eigene Wohnung und zu meinem Vater zurückziehen will ich auch nicht dauerhaft.
Nirgendwo fühlt es sich nach Heimat an und ich habe das Gefühl zu ertrinken. Weißt du, wie es sich anfühlt, wenn du spürst wie etwas in dir zerbricht und du weißt, dass mit dir absolut nichts stimmt und dann siehst du um dich rum diese ganzen glücklichen Menschen und du fragst dich, warum du anders bist und warum du nicht einer von ihnen sein kannst; warum du nicht glücklich sein kannst; warum es so Menschen wie dich überhaupt gibt? 
Als ich mich letztens mit meiner Mutter gestritten habe, hat sie nur noch gesagt, dass sie nicht weiß, wie sie mir noch helfen soll und dass sie mich nicht versteht und hat gefragt, weshalb ich von allem davon laufe. Und ich wusste und weiß es immer noch nicht. Ich weiß nur noch, dass ich den ganzen restlichen Abend geweint habe. Ich weine nicht mehr sooft wie früher, aber dafür wird es schlimmer, länger und ich kann mich stundenlang nicht beruhigen und brauche einfach nur jemanden, der da ist und mich hält und einfach nichts sagt.
Meine Freunde, zumindest die, die ich jeden Tag in der Schule sehe, vergessen mich, obwohl ich direkt bei ihnen stehe. Ich versuche es jedem Recht zu machen damit sie glücklich sind und dafür werde ich ignoriert  oder versetzt. Jeder ist jedem plötzlich wichtiger und ich stehe dazwischen und weiß nicht mehr wo ich hin soll. Mir wird jeden Tag gesagt, dass ich mich zusammenreißen und nicht alles so pessimistisch sehen soll, aber wie soll das gehen? Würdest du einem Querschnittsgelähmten sagen, dass er sich nicht so anstellen und einfach davonlaufen soll? 
Ich schlafe nicht mehr gut und vor allem nicht genug, ich wache Stunden zu früh oder einfach mitten in der Nacht auf. Vor lauter Schule komm ich zu fast gar nichts mehr. Ich hatte seit Wochen kein Buch mehr in der Hand, weil ich einfach keine Zeit mehr dafür habe, geschweige denn zum Bassspielen, Fotografieren oder Rausgehen und obwohl ich so viel lerne, bin ich trotzdem so unzufrieden mit den Ergebnissen. Ab jetzt zählt alles für das Abitur und ich habe wieder unglaubliche Angst das alles nicht zu schaffen, obwohl die Menschen um mich herum sagen, dass es gut genug ist. Jeder sagt, dass das was ich mache gut genug ist, aber keiner sagt, dass ich gut genug bin.
Niemand sagt überhaupt etwas. Wir leben uns alle auseinander, obwohl wir uns jeden Tag sehen. Man trifft sich nur noch in Verbindung mit Alkohol, aber nicht mehr alleine um mal zu reden, so wie noch vor einem Jahr. Alles ist nicht mehr so geil wie es mal war. Alle sind damit unzufrieden, aber niemand macht was dagegen. Es geht alles bergab. 

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